Interview mit der Sopranistin ANNETTE ELSTER

(Mehr Informationen zur Konzertreihe "KONTRASTE" hier)

 

ANNETTE ELSTER ANNETTE ELSTER

Die Opernsängerin Annette Elster – dramatischer Sopran – wird in fünf Konzerten der Reihe „Kontraste“ zu Pfingsten in der Lausitz gemeinsam mit dem Geiger Paul Rosner, dem Klarinettisten Daniel Roy und dem Pianisten Christoph Staude zu erleben sein. All diese Künstler sind international sehr erfolgreich und werden Meisterwerke ungarischer und sorbischer Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts zu Gehör bringen.

Annette Elster begann ihre internationale Karriere am Theater in Palermo, gefolgt von Engagements an der Staatsoper Berlin und an der Dallas Opera (Texas). Bereits in jungen Jahren erfolgte ein Stimmfachwechsel vom Mezzosopran zum dramatischen Sopran, als die Sängerin erstmals die Kundry aus Wagners „Parsifal“ sang. In diesem Fach gelang ihr der internationale Durchbruch. Als Opern-, Konzert- und Liedsängerin ist Annette Elster Einladungen zu Auftritten an viele Opernhäuser und zu Festivals in viele Länder der Welt gefolgt - nach Japan, Mexico, USA, Paris usw. Die Vielseitigkeit ihrer musikalischen wie szenischen Ausdruckskraft dokumentierte sie in bisher über 50 verschiedenen Bühnenrollen.  Annette Elster gilt als Spezialistin für Interpretationen Zeitgenössischer Musik mit zahlreichen Uraufführungen von Musiktheaterwerken und Kompositionen der Neuen Musik.

 

Annette Elster, sie haben weltweit in Operninszenierungen und Konzerten gastiert. Wie kam es dazu, dass Sie in der Konzertreihe „Kontraste“, die zu Pfingsten in der Lausitz stattfinden wird, mitwirken werden?

Seit 2006 habe ich regelmäßig Liederabende in Kunnersdorf bei Görlitz gegeben. Ein mit mir befreundeter  Musikerkollege, der Klarinettist Daniel Roy, veranstaltet im dortigen „Gerichtskretscham“ Konzerte. Außerdem gibt es da eine Sammlung historischer Flügel mit einmaligem, unverfälschtem Klang. 2007 entstand im Kunnersdorfer „Gerichtskretscham“ eine CD mit Liedern von Komponisten der russischen Avantgarde, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden und deren Aufführung lange Zeit verboten war. Nach umfangreichen Recherchen habe ich mit dem Pianisten Christoph Staude diese vergessenen Werke erstmalig aufgenommen. Die historischen Flügel stammen aus der Entstehungszeit der Lieder, was das Projekt noch spannender machte. Diese Ersteinspielung wird demnächst veröffentlicht.

Ich bin in Hannover aufgewachsen und hatte dort an der Schule Unterricht in russischer Sprache. Überhaupt interessiere ich mich für Sprachen. Merkwürdigerweise bin ich erst letztes Jahr auf die sorbische Sprache und Kultur aufmerksam geworden. Und erst da habe ich eines meiner gern gelesenen Jugendbücher, „Krabat“ von Ottfried Preußler, in Verbindung damit gebracht.

Insbesondere mit der gesamten Region im Dreiländereck fühle ich mich verbunden, vielleicht weil ein Teil meiner Familie Wurzeln in Böhmen und Ungarn hat.

Was ist für Sie besonders interessant an der Musik sorbischer Komponisten?

Die erste Begegnung mit sorbischer Musik war für mich, als ich vor zwei Jahren bei einem Liederabend ein Lied von Detlef Kobjela sang. Den Anstoß dafür gab mir Daniel Roy, dessen Großvater Heinz Roy selbst Sorbe und Komponist ist. Nachdem ich eine ganze Reihe sorbischer Werke kennengelernt habe, finde ich, dass diese Musik durchaus Einflüsse bedeutender Tonschöpfer der slawischen Nachbarländer hat, wie beispielsweise Dvořák und Janáček. Die sorbische Musik ist romantisch und slawisch – und hat doch ihr ganz eigenes Kolorit. Das reizt mich als Interpretin sehr.

Werden Sie bei den angekündigten „Kontraste“-Konzerten zu Pfingsten die Lieder von Detlef Kobjela und Jan Raupp in sorbischer Sprache singen?

Natürlich! Als Sänger sollte man heutzutage sprachlich flexibel sein, außerdem liebe ich Sprachen.

Was macht die „Kafka-Fragmente“ des ungarischen Komponisten György Kurtág, die Sie auch singen werden, so besonders?

Der gesamte Zyklus umfasst 40 Skizzen aus Kafkas Tagebüchern. Nicht nur die technischen Anforderungen an den Geiger und die Sopranistin sind enorm, sondern auch das Spektrum des Ausdrucks. In diesen Fragmenten werden musikalisch die unterschiedlichsten Gefühle ausgedrückt, die ein Mensch haben kann. Ich denke, für mich ist jetzt die rechte Zeit, dieses monumentale Werk interpretieren zu können. Außerdem habe ich einen erstklassigen Geiger an meiner Seite – Paul Rosner. Der einstige Meisterstudent David Oistrachs dürfte dem Lausitzer Publikum aus der Konzertreihe „Das besondere Konzert zur Jahreswende“ bereits bekannt sein.

Was erwartet das Publikum in der Lausitz in der Konzertreihe „Kontraste“ darüber hinaus?

Christoph Staude wird Franz Liszts berühmte Dante-Sonate auf dem Flügel zu Gehör bringen. Und Bela Bartók hat mit seinem Kammermusikstück „Kontraste“ der Reihe ihren Namen gegeben. Dieses Werk entstand auf Anregung des ungarischen Geigers Joszef Szigeti und des legendären Klarinettisten Benny Goodman. Sie baten Bartók, für eine Schallplattenaufnahme ein „Klarinette-Violin-Duo mit Klavierbegleitung“ zu schreiben. Insbesondere vor Goodman verneigt sich der Komponist musikalisch mit einer großen Kadenz am Ende des ersten Satzes.

Wenn die fünf Konzerte mit Glanzpunkten sorbischer und ungarischer klassischer Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts vorüber sein werden, wo werden Sie demnächst auftreten, und was ist bezüglich Ihrer weiteren Karriere in Zukunft geplant?

Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich viel Oper sang, gebe ich in diesem Jahr vorwiegend Konzerte. Das ist sehr förderlich für die Stimme. Ich werde in Palermo, wo meine Karriere begann, mein 20jähriges Bühnenjubiläum einem Liederabend begehen. Neben zahlreichen Soloabenden und Kammermusikkonzerten studiere ich die Wagner-Partie der Isolde, die eine außerordentliche Herausforderung für jede Sängerin ist. Überdies werde ich die „Kafka-Fragmente“ auf CD aufnehmen.

Viel Erfolg für die bevorstehenden Konzerte in der Lausitz und auch für Ihre weitere Laufbahn!

 

© ikm KLINGAUF MUSIKMANAGEMENT

 

 

Konzerttermine:

29.05.2009, 19 Uhr im Erwin-Strittmatter-Gymnasium Spremberg

30.05.2009, 17 Uhr im Sorbischen Museum Bautzen (an der Ortenburg)

31.05.2009, 17 Uhr im Gerichtskretscham Kunnersdorf (bei Görlitz)

01.06.2009, 17 Uhr in der Ćišinski-Schule Panschwitz-Kuckau

02.06.2009, 19 Uhr im Stadtschloss Hoyerswerda